Im südlichen Teil von Lolland, gibt es bei Rødbyhavn ein Gebiet, das auf den ersten Blick nur nach verlassenen Gleisen aussieht. Auf den zweiten Blick eröffnet sich dem aufmerksamen Betrachter jedoch eines der interessanteren Naturgebiete Dänemarks.
Die ungenutzten Abstellgleise sind in der Tat das Zuhause einer einzigartigen Fauna mit vielen Arten, die nirgendwo anders in Dänemark anzutreffen sind. Dazu gehören zahlreiche wärmesuchende Insekten, von denen viele ganz neu in Dänemark sind.
Die Hitze zieht Insekten an
Es ist für viele wahrscheinlich überraschend, dass sich auf einem Areal, das vor 40 Jahren vom Gütertransport genutzt wurde, ein an Tierleben so reiches Gebiet entwickelt hat. Der Grund dafür ist jedoch ziemlich einfach, wenn man den Biologen und Insektenexperten Jan Fischer Rasmussen von COWI fragt:
„Das Gebiet bietet besondere Bedingungen, die die Temperaturen erhöhen und wärmesuchende Insekten anziehen“, erklärt er. „Zunächst einmal befinden wir uns in einem Gebiet im südlichen Dänemark mit besonders trockener Vegetation. Außerdem ist das Gebiet umgeben von Bäumen, die Windschatten bieten. Zusätzlich absorbieren der sandige Boden und die vielen ungenutzten Eisenbahnschwellen und Steine die Wärme der Sonne.“
„In Bezug auf das Mikroklima bedeutet dies, dass die alten Abstellgleise etwa mit einem Gebiet verglichen werden kann, welches etliche hundert Kilometer weiter südlich von hier liegt“, erklärt Jan Fischer Rasmussen.
Südliche Arten wandern gen Norden
Die Tatsache, dass südliche Insektenarten weiter und weiter nach Norden wandern, ist ein Zeichen der globalen Erderwärmung. Aufgrund ihrer südlichen Lage sind die Abstellgleise von Rødbyhavn einer der ersten Orte in Dänemark, wo neue Insekten wegen des warmen Mikroklimas landen, und viele von ihnen siedeln sich hier an.
„In den letzten zehn Jahre haben wir fast 20 Insektenarten entdeckt, die nirgendwo anders in Dänemark zu finden sind“, sagt Jan Fischer Rasmussen. „Wir finden auch regelmäßig neue und interessante Arten. Ein Beispiel ist der Beherzte Halsbock, eine auffällig rote Bockkäferart, die man nördlich der Alpen nirgendwo anders findet. Das ist einzigartig“, so Jan Fischer Rasmussen.
Abstellgleise im Verfall
Das Gebiet wird nicht mehr als Abstellgleisareal genutzt, da nach und nach immer mehr Gütertransport von der Schiene auf die Straße verlegt wurde. Infolgedessen ist der genutzte Teil der Gleise in den letzten Jahren immer kleiner geworden und große Flächen sind zugewachsen. Vor ca. 15 Jahren begannen Naturwissenschaftler damit, das reiche Insektenleben an den ungenutzten Abstellgleisen zu entdecken.
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