Land
Die Umweltuntersuchungen klären, welche Auswirkungen eine feste Querung auf Flora und Fauna sowie auf Landschaft und Boden auf Fehmarn und Lolland haben wird. Belastungen durch Lärm, Licht und Verschmutzung werden auch untersucht.

Flugverkehr in viele Richtungen

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Unter den Watvögeln, Enten und Gänsen gibt es Arten, die während des Zuges Nonstop-Flüge von mehreren tausenden Kilometern bewältigen. Auf Ihrem Flug überqueren sie Meere und Berge. Aber was geschieht, wenn Zugvögel eine Brücke passieren? Das untersuchen Vogelexperten als Teil der Umweltverträglichkeitsprüfungen am Fehmarnbelt.

Die Untersuchungen werden durchgeführt um u.a. festzustellen, ob eine Brücke den Vogelzug behindern könnte und negative Auswirkungen, insbesondere auf geschützte Arten, zu befürchten sind.

Mit Fernglas stets bereit
Für die Prüfung der Umweltverträglichkeit einer festen Querung über den Fehmarnbelt werden sehr aufwändige Untersuchungen durchgeführt. Von vier Stationen aus werden Sichtbeobachtungen durchgeführt, an denen ziehende Vögel nach Art, Zugrichtung und Flughöhe erfasst werden. Auf den Inseln Lolland und Fehmarn erfolgen diese Beobachtungen im Gebiet der geplanten Landanschlüsse einer Festen Fehmarnbeltquerung. Zudem werden ziehende Vögel auch vom Schiff aus an zwei Stationen im Fehmarnbelt erfasst. Die Untersuchungen werden von besonders geschulten Beobachtern durchgeführt, die sämtliche europäische Vogelarten und deren Zugrufe kennen.

Rund um die Uhr vom Radar verfolgt
Vogelzug erfolgt auch in der Nacht und in Höhen, in denen die Vögel mit dem bloßem Auge oder dem Fernglas nicht sichtbar sind. Fliegende Vögel können aber auch mit Radargeräten erkannt werden, und daher erfolgt seit 2009 von den zwei Land- und zwei Schiffsstationen aus eine kontinuierliche Radarüberwachung des Fehmarnbelts. So lässt sich der Vogelzug rund um die Uhr erfassen.

Um auch die Zughöhe der Vögel erfassen zu können, werden an fünf Stationen zusätzliche senkrecht gekippte Radargeräte eingesetzt, die die Radarstrahlen vertikal in den Himmel senden. Diese Geräte erlauben es, den Vogelzug bis in 1,5 km Höhe zu verfolgen. Als Besonderheit bei den Untersuchungen zur Festen Fehmarnbeltquerung kommt auch ein Zielverfolgungsradar aus alten Schweizer Militärbeständen zum Einsatz. Dieses Gerät sucht mithilfe eines fokussierenden Radarstrahls den Himmel nach sich bewegenden Objekten ab. Sobald ein solches gefunden ist (also ein Vogel oder ein Schwarm), wird das Ziel automatisch verfolgt, bis es aus der Reichweite verschwindet. Als Ergebnis erhält man die Zugrichtung, Zughöhe und Fluggeschwindigkeit.

 

In zwei Kilometern Höhe über den Fehmarnbelt
Landvögel, die die Überquerung offener Gewässer meiden, bevorzugen für ihre Zugroute den Fehmarnbelt als kürzeste Verbindung zwischen europäischem Festland und Skandinavien (die sogenannte „Vogelfluglinie“). Ein hoher Anteil  des skandinavischen Brutbestands zieht zweimal jährlich über Fehmarn und Lolland hinweg.

Wie tagziehende Landvögel auf die notwendige Überquerung einer Meeresfläche reagieren, zeigen die Radaruntersuchungen. Besonders Kleinvögel steigen in große Flughöhen auf, sobald sie die Küste verlassen. Mit dem Radar ließ sich verfolgen, wie ein Schwarm Kleinvögel nach dem Verlassen der Küste Lollands bis auf 2 km Höhe aufstieg, als würde er einen unsichtbaren Berg übersteigen. Die Vögel tun dies vermutlich, um sich zu orientieren und die kürzeste Verbindung bis zum nächsten Landeplatz zu erkennen.

Greifvögel nutzen erwärmte aufsteigende Luft und gewinnen so kreisend über Land an Höhe, um dann einen großen Teil des Fehmarnbelts im Gleitflug zu überqueren.

Für die Landvögel stellt eine Brücke im Fehmarnbelt keine Barriere da. Ein eventuelles Kollisionsrisiko ist jedoch abzuschätzen und zu bewerten.

Wasservögel
Anders verhalten sich Wasservögel, die es bevorzugen, über Wasser zu ziehen, und die Überquerung von Landflächen meiden. Für diese Arten könnte eine Brücke eine Barriere bilden. Obwohl die Vögel in der Lage sind, auf Ihrem Zug ins Wattenmeer Landgebiete wie Schleswig-Holstein oder auf dem Zug in die Brutgebiete die südschwedische Landfläche von Schonen (Skåne) zu überqueren, kann eine Brücke den Zug behindern. In welchem Maße dies geschieht, wird derzeit an bestehenden Brücken im Großen Belt, im Öresund, im Farösund und im Kalmarsund untersucht.

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Fakten
Mehr als 200 Vogelarten überqueren den Fehmarnbelt

Die noch laufenden Untersuchungen ergeben eine Vielzahl neuer und wissenschaftlich sehr wertvoller Ergebnisse, so dass  die Umweltverträglichkeitsprüfung auf eine umfassende Datenbasis aufbauen kann, wie sie selten bei einem Projekt vorliegt. Bislang wurden mehr als 200 Vogelarten erfasst, die den Fehmarnbelt während ihres Zugs überqueren. Die Datenbank enthält mehr als 2 Mio. Sichtbeobachtungen und 200.000 akustische Registrierungen sowie um die 100.000 Radarobservationen von über 200 Vogelarten.

Vogelzug
Foto: Faunafoto/Thomas W. Johansen
Man with binoculars close to the ferry harbour

Mit Fernglas und Radargeräten werden die Vogelzüge von besonders geschulten Beobachtern überwacht.

Mögliche Auswirkungen

Eine Brücke könnte eine Barriere bilden und so Zugwege unterbrechen. Vögel könnten mit dem Bauwerk kollidieren oder Opfer des Brückenverkehrs werden, wenn sie auf der Brücke landen sollten. Befürchtungen über Kollisionen von Vögeln beziehen sich vor allem auf Situationen, in denen Vogelzug bei schlechten Wetterbedingungen durch die Beleuchtung von Brücke und Verkehr angezogen wird. Diese möglichen Risiken werden abgeschätzt und bewertet.

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